Wer ruiniert hier eigentlich gerade wen…?

Wenn die Politik und die Konzerne des Westens die selbst vorangetriebene Globalisierung des Handels mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln gegen Russland außer Kraft zu setzen versuchen, dürfte „der Preis“ dafür hierzulande erheblich höher sein als bisher vermutet

Erst haben die westlichen Konzerne und Finanzhaie die Wirtschaft immer weiter zwecks höherem Profit globalisiert und auch den Nahrungssektor zum Spekulationsobjekt gemacht – mit dem Ergebnis, dass auf anderen Kontinenten und im EU-„Hinterhof“ moderne Arbeitssklaven für die reichsten Länder schuften und sich „modern ausbeuten“ lassen müssen, um sich die immer teureren Lebensmittel leisten zu können. Und natürlich, um den Konzernen immer mehr Profit und den reichen Ländern und dem Teil der Bevölkerung, der nicht in prekären Verhältnissen leben muss, einen hohen Lebensstandard zu erwirtschaften.

Nun führt die Führung Russlands einen Krieg gegen die Ukraine – und den westlichen Ländern fällt nichts Besseres ein, als ein ganzes Land (nämlich Russland) lahmzulegen und bisherige Importe von dort zu stoppen. Die grüne Außenministerin Baerbock orakelt, man könne mit den Sanktionen „Russland ruinieren“… Was für ein Ziel einer (qua Amt) „Chef-Diplomatin“, die ihr Handwerk nicht versteht! Sie wird so zur Handlangerin westlicher Konzerninteressen, die Russland schon lange „ruinieren“ wollen, weil sie keinen Zugriff auf dessen Wirtschaft und Ressourcen erhalten.

Doch der Westen stolpert dabei über die von ihm selbst erzeugte Wirtschafts- und Spekulationsstruktur, denn die Märkte und Börsen, die eine geblockte Wirtschaft scheuen wie der Teufel das Weihwasser, „reagieren nervös“ und – getreu den „Marktgesetzen“ – bei zu erwartender Angebotsverknappung mit heftigen Preissteigerungen, die nicht nur die südliche Welt, sondern auch die eigene Bevölkerung in große finanzielle Bedrängnis – oder deutlicher: in Massenarmut! –bringen.

Besonders deutlich wird das – neben den Energieimporten – auch im Nahrungsmittelsektor. Ukrainischer Weizen (10% der Weltproduktion) und andere Agrarprodukte, die übrigens schon längst in der Hand ausländischer Konzerne sind, können angeblich nicht mehr ausreichend produziert und exportiert werden. Und auch aus dem weizenreichen Russland (30% der Weltproduktion), mit dem gerade zahlreiche Handelsverbindungen gekappt werden, kommt demnächst weniger Weizen. Folge: Die Preise steigen ins Unermessliche – und die so entstehende Verknappung und Verteuerung könnte in Teilen Afrikas und anderswo zur Katastrophe führen.

Hierzulande können auch kleinere Betriebe bald nicht mehr ausreichend produzieren, denn auch ihre Rohprodukte stammen aus der Ukraine oder aus Russland. Eine ostdeutsche Senffabrik kommt bald nicht mehr an ausreichend Senfsaat für ihre Produktion heran, denn die kommt aus Russland – und auch hierfür steigen die Preise für eine anderweitige Beschaffung himmelwärts, so dass das fertige Produkt (sofern es denn entstehen kann) bald nur noch schwer verkäuflich sein wird. Beim Speiseöl, dessen Sonnenblumensaat ebenfalls aus Russland kommt, ebenso. Und auch für den Fahrzeugbau fehlen akut immer mehr Lieferungen spezialisierter Teile und Komponenten. Derzeit fraglich ist, ob diese Lücke noch mit Kurzarbeit auszugleichen ist.

Die so hoch gepriesene und für Wenige hoch profitable Globalisierung schießt sich also mit einer Blockade gerade selbst ins Knie – und schlimmer noch: den vielen Durchschnittsentlohnten, deren Arbeit und damit ihr Lebensunterhalt gefährdet – oder die sich immer mehr Produkte und die für viele Lebensbereiche unentbehrliche Energie nur noch schwer leisten können. Da ist es schon mehr als zynisch, wenn aus den Eliten, z.B. von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen oder dem Alt-Bundespräsidenten Gauck, der Ratschlag ertönt, dass man für die Freiheit doch ruhig mal ein bisschen frieren dürfe…

Ist das Nächste, dass das ärmste Viertel der (West-)Europäer*innen auch ein wenig hungern „darf“…? An die Folgen der Ressourcenverknappung und Verteuerung in Teilen der südlichen Welt, deren Wohl und Wehe (trotz vermehrten chinesischen und russischen Agierens) von Konzernen, politischem, teils post-kolonialem Gutdünken und Weltmarktpreisen abhängt, gar nicht zu denken!

Es wird also bei weitem nicht nur Russland „ruiniert“, wie es aus der aktuellen Große-Klappe-Propaganda des Westens tönt – sondern angesichts der globalisierten und börsenabhängigen Weltwirtschaft viele Andere gleich mit, und das nahezu weltweit! Bislang ist dazu aus den Politiketagen, die ihre Phrasen wider besseres Wissen dreschen und die Lunte an das Leben eines großen Teils der Weltbevölkerung (auch der eigenen!) legen, nicht viel zu hören außer panisches Abwiegeln. Kein Wunder, denn auf die Mechanismen der nun entstehenden Wirtschafts- und Ernährungskrise, haben sie so gut wie gar keinen Einfluss mehr, seit sie die Konzern- und Finanzwirtschaft schon vor Jahrzehnten von der Leine gelassen hatten…

Ausweg-Szenarien, die Hoffnung machen könnten, sind zurzeit Mangelware: Zu einer Entspannung in Osteuropa wird es auch bei einem eventuellen Kriegsstopp durch die russische Führung nicht so schnell kommen. Und auch die „werteorientierte“ Politik des Westens wird nicht klein beigeben, denn deren eigentliche Strippenzieher wollen unbedingt Einfluss auf die russischen Märkte erlangen – nebst Zementierung ihres Einflussgebietes bis an Russlands Grenzen.

Doch wer reibt sich eigentlich gerade die Hände über die sich ausweitende Krise? Wer könnte vielleicht darauf hoffen, Kriegsgewinnler zu werden? – Jeder Krieg birgt schließlich nicht nur zahlreiche Lügen in sich, sondern auch das Streben nach mehr Macht während oder nach der Krise. Die Volksrepublik China fällt wohl in diesem Bereich aus, denn sie ist als ein Nicht-Kriegsland inzwischen zu stark mit der Weltwirtschaft verbunden und spürt die Krisenerscheinung bereits selbst…

Mit etwas erfahrungsangereicherter „Fantasie“ dürfte die Antwort in Richtung USA deuten. Deren Konzern- und Machtapparat kann derzeit mit dem entspannten Außenblick registrieren, dass weite Teile Europas, wie schon lange aus Washington erhofft und betrieben, krampfhaft versuchen, sich von russischen Energielieferungen abzukoppeln und panisch nach Alternativen zu suchen… Nicht erst seit Februar bieten sich dafür die USA selbst an wie Sauerbier. Sie wollen mit dreckigem Frackinggas, das aufwändig und teuer nach Europa verschifft werden muss, um dann noch teurer verkauft zu werden, einen Großteil der noch bestehenden fossilen Energieversorgung unter ihre Kontrolle bringen – und damit Milliardenprofite machen. Die Politmarionetten der USA in einigen europäischen Hauptstädten schlagen schon heftig die Trommeln dafür!

Auch die derzeitige Abkehr der meisten europäischen Staaten von allem Russischen lässt in den USA zahlreiche Sektkorken knallen, denn nun scheint das erreicht zu werden, was die USA politisch und militärisch schon lange vorhatten: das Ende der ohnehin schmalen Koexistenz (West-)Europas mit Russland inklusive des Handels zum beiderseitigen Nutzen. Selbst mit Weizen und anderen Agrarprodukten (chemisch und gentechnologisch „aufbereitet“!) könnte die Weltmacht USA gegen ausreichende Bezahlung „aushelfen“ – in Europa und vielleicht auch anderswo. Gemäß dem „Fischer-un-sin-Fru“-Prinzip dürften sich die USA durch die für sie profitable Krise etwas entspannter dem Machtkampf gegen die VR China „zuwenden“ können…

Europa – inklusive und exklusive Russlands – dürfte nach dieser Krise für eine Zeit wirtschaftlich und politisch (trotz militärischer Aufrüstung!) stark geschwächt sein. Da klingt der Ruf der EU-Führung nach mehr „Zusammenhalten“ und Erweiterung der politischen und militärischen Kooperation eher wie das Pfeifen im dunklen Wald – und er hat wohl eher den Charakter einer Durchhalteparole für die irritierte und stark verunsicherte Öffentlichkeit. In den USA heißt es hingegen: „Mission accomplished“!

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