Von „Bundesnotbremsen“ und anderen Bundes-Klängen…

Heute habe ich mich mal in zwei Facebookposts mit den Wortverbindungen mit „Bundes…“ beschäftigt…

Ich warte jetzt mal nicht auf die offizielle Auslobung für das „Wort des Jahres“… Meinen Favoriten habe ich schon vor längerer Zeit gefunden: Es ist die „Bundesnotbremse“! Der Begriff sagt so viel und doch zugleich nichts – und es weckt bei mir herrliche Assoziationen: Kennt noch jemand das Couplet „Die Notbremse“ (aus der Feder des legendären Friedrich Hollaender)? Hier gibt es die Audio-Version mit der wunderbaren Hanne Wieder aus den 1960er Jahren (1. Titel).

Säße ich in einer Sprachkommission, würde ich übrigens viele Strafpunkte für die in der Politik inflationär gebrauchten „Als“-Phrasen vergeben. Immer wieder sind sie in irgendwelchen Statements zu hören; hier ein Beispiel: „Wir ALS Linke wollen 13 Euro Mindestlohn“… stööööhn!!! Dabei würde, „Wir Linke wollen…“ doch völlig ausreichen! – Und heute Morgen sagte der Bremer Bürgermeister im Morgenmagazin vor einer Bund-Länder-Konferenz: „Wir ALS Bremen………“ Den Rest habe ich schon nicht mehr gehört!!!

Apropos „BUNDES-Notbremse“ (s. mein vorheriger Post von heute): Ich finde ja einige Wortkonstruktionen und Ausdrücke mit dem Bestandteil „Bundes-“ ziemlich schrill… Zum Beispiel: Kennt jemand die „Bundeskunsthalle“… Nein? Die gibt es in der ehemaligen Bundes(!)-Hauptstadt Bonn (ausgerechnet in der Hel….-K…-Allee übrigens!). – Sollte ich mal auf die lukrative Idee kommen, einen Kiosk zu eröffnen, würde ich ihn „Bundestrinkhalle“ nennen. Ich glaube, die Bude wäre krachend voll…

Ach, und früher in Flensburg: Da fuhr die Buslinie 1 bis zum „Bundesbahnhof“ – das klang toll…! Weil es aber in der Stadt schon lange keinen anderen Bahnhof mehr gibt und die „DB“ ab den 90er Jahren auch nicht mehr „Bundesbahn“ heißen wollte, fährt der Bus jetzt ganz profan und langweilig zum „Bahnhof“. – Hätte es damals schon Stationsansagen im Bus gegeben, hätte ich bei der Ansage: „Nächste Haltestelle: Bundesbahnhof“ jedesmal eine sprachlich-wohlige Gänsehaut bekommen…

Und dann ein kleiner Ohrwurm aus den frühen 70er Jahren: Rita Pavone aus Italien schmetterte damals das schöne Lied: „Ja, in der Bundesrepublik, da machen alle gern Musik…“ (hier mal reinhören). – Und weil dieser Schlager im schwungvollen Charleston-Stil sehr bühnentauglich ist, ließ es sich damals auch die „Bundes-Quasselstrippe“ (!) Gisela Schlüter (trotz fortgeschrittenen Alters immer auf jung getrimmt!) in ihrer bunten Spaß-Show „Zwischenmahlzeit“ nicht nehmen, dazu mit fliegenden Armen und Beinen herumzuhampeln… Sowas Bundes-Kultiges fehlt heute!

Und weil die heutige Bundesrepublik ja eigentlich nicht viel Anderes ist als als die damalige, die auch sehr oft so genannt wurde, ist es ein wenig schade, dass fast niemand sie mehr mit diesem klangvollen Namen nennt. Selbst in linken Kreisen wird heute fast nur noch von „Deutschland“ gesprochen – mit genau dem Wort, das sich auch so fürchterlich prollig grölen lässt… Versuch das mal mit dem schönen Wort „Bundesrepublik“! Stattdessen kommt man in fröhlich-beschwingte Charleston-Wallungen…

Übrigens: Bis 1989 war ich gar kein „Bundesbürger“ (da Westberlin ja bekanntermaßen nicht zur Bundesrepublik gehörte!). Deshalb habe ich das Bundes-Phänomen lediglich interessiert von außen betrachtet, aber danach wurde ich es. Da aber war der Glanz des „Bundes“ schon mächtig abgeblättert… Wer sagt heute noch mit verschmitztem Lächeln: „Ich bin Bundesbürger“ bzw. „Bundesbürgerin“? – Viele kennen die vielen schönen „Bundes“-Kompositionen leider schon gar nicht mehr…

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