Zoff in „Pankoff“: Wer hat den Linken zum Bürgermeister gemacht…?

Am letzten Donnerstag wurde Sören Benn (Die Linke) zum Bezirksbürgermeister im Berliner Stadtbezirk Pankow gewählt. Das war er auch schon vor den Berliner Wahlen – also alles gut? Mitnichten! Im Stadtbezirk hatten die Grünen nämlich mehr Wahlstimmen bekommen als die Linken vier Jahre zuvor. Doch ihre Kandidatin konnte für die Wahl zur Bürgermeisterin nicht mit einer Mehrheit rechnen.

Also trat Amtsinhaber Sören Benn in einer Wahlgemeinschaft von Linken und SPD erneut an, da er Aussicht auf die meisten Stimmen, aber nicht auf die absolute Mehrheit hatte. Bei der Wahl im Pankower Rathaus erhielt er dann mit 29 Stimmen diese Mehrheit – sechs Stimmen mehr als die 23 des Linke-SPD-Bündnisses.

Kurz danach kam es zum Skandal: Die AfD erklärte, dass sie mit ihren fünf Abgeordneten für Benn gestimmt – und ihm so zu einer Mehrheit verholfen hatte… Es dauerte nur Sekunden, bis in der Öffentlichkeit der „Thüringer Albtraum“ wiederauferstand. – Wir erinnern uns: In Erfurt wurde ein FDP‘ler mit AfD-Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt. Entsetzen, Blumen vor die Füße, Endzeitstimmung… Der Spuk dauerte vier Tage, dann legte der MP das Amt nieder – und Bodo Ramelow kam mit zähneknirschender Zustimmung der CDU wieder ans Ruder.

Ist nun in Berlins größtem Bezirk der Linke Sören Benn etwa mit AfD-Stimmen zum Bürgermeister gewählt worden??? – Der wiegelte schnell ab: „Warum sollten Rechte einen linken Bürgermeister wählen?“ Und von linken Funktionär*innen wurde hier und da das Narrativ herausgegeben, dass man einer AfD-Aussage nicht glauben dürfe… Klingt alles ein bisschen nach „Korken drauf!“ – verständlich vielleicht bei all den Wirren, die die Linkspartei seit längerem mit sich herumträgt.

Trotz der geheimen Wahlen tönte die Pankower FDP, sie hätte geschlossen nicht für Benn gestimmt – ebenso die Grünen, die sauer sind, dass sie nicht in Amt und Würden gelangen konnten… Aber wenn die AfD mit ihrem Bekenntnis gelogen haben sollte, war es dann womöglich die CDU, die Stimmen geliefert hat? Oder flunkern FDP und Grüne auch, und ein paar haben dann doch Benn gewählt? Vielleicht wird man es nie erfahren, aber ein gutes Bild hat in diesem Possenspiel niemand gemacht – auch nicht diejenigen, die nun schmallippig von der AfD-Lüge fabulieren!

Von der in „Notzeiten“ viel beschworenen „Gemeinsamkeit der Demokraten“ ist jedenfalls nichts zu spüren. Wie entspannend wäre es doch gewesen, wenn ein paar Grüne oder FDP‘ler nach dem herausposaunten AfD-Triumph gerufen hätten: „Nee nee, ich habe auch für Benn gestimmt!“ – Hätte ja nicht die Wahrheit sein müssen, wäre aber ‘ne coole Aktion gewesen, um den Rechten das Wasser abzugraben. Doch so viel Fantasie gibt es wohl im Konkurrenzkampf um die Pöstchen nicht… Der „Zoff in Pankoff*“ könnte jedenfalls noch einige Nachbeben auslösen. Nicht nur in Berlin…

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*) „Pankoff“ – das war die herabwürdigende Aussprache des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU) für den Berliner Stadtbezirk Pankow und sollte ein Synonym für die DDR sein, die damals aber im West-Sprech sowieso nur „die Zone“ genannt werden durfte. Im Pankower Ortsteil Niederschönhausen wohnten in den Anfangsjahren der DDR viele Mitglieder der Partei- und Staatsführung – und so nannte Adenauer die Regierung der DDR nur „Pankoff“…

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