Leserbrief: Flensburger Busverkehr auf grotesken Abwegen

Als sozialpolitischer Sprecher der Linksfraktion reagiere ich auf einen Artikel der Flensborg Avis vom 30.07.2021 über die Preiserhöhung der Aktiv-Bus und das zweifelhafte „Shopping-Ticket“, das einmal im Monat kostenloses Busfahren bringen soll

Zweifelsohne sind teurere Bustickets das absolut falsche Signal. Zum einen wird es noch mehr Menschen in Flensburg geben, die von einer gleichberechtigten Mobilität abgekoppelt werden, weil sie sich regelmäßiges Busfahren nicht mehr leisten können. Besonders für sie ist der Alltag in vielen Bereichen teurer geworden: steigende Lebensmittel- und Energiepreise, teure Miete – und teils wegen der Coronakrise noch weniger Geld in der Tasche. Waren die Buspreise schon seit Jahren zu hoch, fehlt bei der aktuellen Preiserhöhung jegliches Verständnis für die Situation in der Stadt, wo etwa ein Viertel der Leute im Alltag schon jetzt nicht ausreichend über die Runden kommen.

Zum zweiten sind teurere Fahrscheine das Gegenteil eines klimafreundlichen und attraktiven Nahverkehrs. Eine große politische Mehrheit zeigt allerdings weder für die fehlende soziale noch die klimapolitische Dimension Interesse. Dabei ist der Busverkehr doch einer der wichtigsten Faktoren, um den individuellen Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren. Genau deshalb darf er nicht teurer, sondern er muss billiger werden, wenn die Stadt ihre eigenen Ziele für weniger CO2-Ausstoß erreichen will.

Und dann noch das Gratis-Ticket… Sollten die Menschen in Flensburg überhaupt daran denken, dass es das am letzten Freitag des Monats gibt, kommt es die Stadt teuer zu stehen: 180.000 Euro für 12 Tage im Jahr – um die Illusion für mehr Buspassagiere zu nähren… Auf diese wahnsinnige Idee ist übrigens ein Sozial(!)demokrat gekommen, und er bekam dafür sogar eine (wenn auch knappe) Mehrheit im Rat. Das ist wirklich grotesk!

Diejenigen, die dafür gestimmt haben, haben ihr Verständnis für die soziale Dimension im öffentlichen Nahverkehr verloren. Für nur zwei Drittel dieses Betrags hätten sie für den Antrag der Linksfraktion für ein Sozialticket mit mindestens 50 Prozent Ermäßigung stimmen können – doch genau das wollten sie nicht und verwiesen auf die leeren Kassen der Stadt… Und zur satten Fahrpreiserhöhung verhalten sich die anderen Parteien viel zu still. Für wen oder was machen sie eigentlich Politik?

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Hier die Stellungnahme der Linksfraktion zur Fahrpreiserhöhung lesen: https://fraktion-die-linke-flensburg.de/teurere-bustickets-sind-jetzt-das-absolut-falsche-signal/

Hier die aktuellen Forderungen der Linksfraktion zum Nahverkehr nachlesen: https://fraktion-die-linke-flensburg.de/fahrpreiserhoehung-stoppen/

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