🏳️‍🌈 Der Weg zur Anerkennung ist für viele noch weit…

🏳️‍🌈 Zum heutigen weltweiten Aktionstag gegen Homo- und Transphobie 🏳️‍🌈

Vieles scheint bereits erreicht: Im öffentlichen Raum wehen Regenbogenfahnen, die „Ehe für alle“ ist durchgesetzt, Schwule, Lesben, Trans und andere queere Gruppen erscheinen in Filmen und Serien und so einiges mehr… – Ist also schon „alles gut“? Gibt es keine Diskriminierung oder Aggression mehr gegen queere Menschen?

Nein! Der Schein trügt. Im gesellschaftlichen Alltag und in weiten Teilen der Gesetzeslage mag die jahrzehntelange Ausgrenzung durch mehr Gleichstellung ersetzt worden sein. Der Fortschritt ist in hippen Großstadtvierteln besonders deutlich. Hier herrschen Liberalität, Akzeptanz und das (Ideal-)Bild der „bunten Vielfalt“ vor. Und gleichzeitig sind es doch gerade die Großstädte, in die queere Menschen auch anonym abtauchen oder in queer-dominierten Milieus leben, wo das Bekenntnis zur eigenen queeren Identität leichter fällt.

Viel zu oft herrschen – nicht nur in der „Provinz“ – immer noch Ängste und der Drang zum „Sich-Verstecken“ vor. Ob im privaten Umfeld, in der Schule, am Ausbildungs- oder am Arbeitsplatz: „Dumme Sprüche“, Ignoranz, Drohungen oder sogar körperliche Gewalt sind immer noch an der Tagesordnung und lassen viele queere Menschen verstummen – oder sie legen sich eine Schein-Identität zu, um in Ruhe gelassen zu werden.

Queere Diskussionsrunden in Stadtverwaltungen, fröhliche Regenbogenhochzeiten oder Familien mit zwei Vätern oder Müttern liegen für immer noch sehr viele queere Menschen (jeden Alters) weit entfernt von der eigenen Lebenswirklichkeit. Hier zeigt sich eine Spaltung zwischen den sichtbaren, selbstbewussten und teils politischen Queer-Milieus und den vielen anderen, für die das eine „andere Welt ist“ – und die bisweilen mehr verschreckt als Mut macht. Selbst der Weg zu Beratungsangeboten ist (zumindest am Anfang) oft eine hohe Hürde.

Der 17. Mai ist der Aktionstag gegen Homo- und Transphobie – weltweit. Er ist notwendig, weil er oft politischer agiert als die bunten und ausgelassenen CSDs der zumeist großstädtischen Queer-Milieus. Das abstrakte Wort „Phobie“ bezieht sich auf die immer noch andauernde Unterdrückung und das dadurch erzeugte Klima der Angst. Der 17. Mai sollte weniger die erreichten Erfolge feiern und das Selbsbewusstsein derer vorzeigen, die das Coming Out schon geschafft haben und ihre Identität noch mehr in der Öffentlichkeit sehen wollen. Es sollte weniger um „Homo-Ehen“ oder Adoptionsrechte als um die breite gesellschaftliche Anerkennung aller queerer Menschen gehen.

Es ist notwendig, die Hürden für die vielen „Versteckten“ in der Gesellschaft zu senken, Mut zu machen und die Selbstdefinition der vielen, die sich aus berechtigter Angst und Sorge (noch) versteckt halten, zu stärken. Manche der 17.-Mai- Aktionen treffen dabei schon heute den richtigen Ton und gehen aus dem für viele noch unerreichbar scheinenden Queer-Milieu heraus. Das ist das Wegweisende und gesellschaftlich Positive an diesem Aktionstag.

Gleichzeitig macht die weltweite Perspektive des 17. Mai auch auf erhebliche Diskriminierung und Verfolgung in anderen Ländern aufmerksam und fordert zur Solidarität auf. Die reaktionäre Roll-back-Stimmung unter dem Deckmantel von Katholizismus und Nationalismus in Polen ist ein geografisch naheliegendes Beispiel. Aber auch Verfolgung, Gewalt und sogar Todesstrafen im arabischen und nordafrikanischen Raum zeigen, wie verbreitet Diskriminierung und „Phobie“ noch immer sind. Weltweit gehören auch zunehmende (und zugleich faktenleugnende, irrationale) Tendenzen zu „Homo-Heilungen“ zu den Signalen, dass noch lange nicht „alles gut“ ist – in der Welt ebenso wie auch bei uns.

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