Pflegekräfte, Frauen und Zivilgesellschaft in katholischer Geiselhaft…

Das schon mal vorweg: Die Beschäftigten in der Altenpflege in den Institutionen der katholischen Caritas leisten Großartiges und arbeiten schwer – wie auch in der evangelischen Diakonie oder bei privaten oder öffentlichen Arbeitgebern – egal welcher Religion (oder auch keiner) sie angehören!!!

Doch nun ist es ausgerechnet die Caritas, die einen neuen Tarifvertrag für alle Beschäftigten in der Altenpflege verhindert. Das mag anderen Unternehmen gefallen – es löst aber nicht das große Problem der zu schlechten Bezahlung im Altenpflegebereich, im Gegenteil… Hunderttausende haben wegen zu hoher Belastung bei zu niedrigen Löhnen den gesamten Pflegesektor verlassen, oft kann eine zufriedenstellende Versorgung schon nicht mehr gewährleistet werden.

Ausgerechnet die katholische Caritas steht nun auf der Bremse, um eine angemessene Tarifentlohnung zu blockieren – und verhindert so einen besseren Tarifvertrag. Die Beschäftigten und auch weite Teile der Bevölkerung goutieren das nicht. Doch sie sind dem Scheitern einer neuen Tariflösung hilflos ausgeliefert. Die Pflegebeschäftigten bleiben auf der Strecke und werden zur Geisel von (in diesem Falle katholischer) Halsstarrigkeit.

In Flensburg ist es (wie allen bekannt) der katholische Teil der konfessionellen Trägerschaft für das geplante Zentralkrankenhaus, der die Marschrichtung gegen die Durchführung klinischer Schwangerschaftsabbrüche durchgesetzt hat. Die Mehrheit der Bevölkerung goutiert das nicht, und die Stadtverwaltung sucht nun hektisch und teils hilflos nach unbefriedigenden Ersatzlösungen außerhalb des Krankenhauses. In und um Flensburg werden dadurch betroffene Frauen zur Geisel katholischer Halsstarrigkeit.

Beides hat wohl nur begrenzt mit einem positiven Verständnis von Religion zu tun, aber es ist augenscheinlich, dass es katholische Institutionen sind, die sich als Bremse in diesen Fragen präsentieren und über das Schicksal und die Gesundheit vieler Menschen entscheiden. Das ist nicht akzeptabel.

3 Kommentare zu „Pflegekräfte, Frauen und Zivilgesellschaft in katholischer Geiselhaft…

    1. Ja… „Nichts ist so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut sein kann“… 🙂 Mit etwas Geduld mag es darauf hinauslaufen, wie du schreibst. Ob die Austrittszahlen in der „nördlichen Diaspora“ ebenso gravierend sind wie im Woelki-Krisengebiet, einer rheinischen Hochburg, muss mal beobachtet werden. – Ich habe ja immer für die konfessionellen Sozial- und Gesundfheitsdienste argumentiert, nicht nur weil sie nicht „wegzudenken“ waren (oder wohl immer noch sind), sondern weil ich hohen Respekt vor die dort Beschäftigten habe – wohlwissend, dass sie finanziell manchmal schlechter gestellt sind. – Aber da habe ich „dazugelernt“… Wenn diese Arbeitgeber weiter und nun verstärkt auf der Lohnbremse stehen, gilt m.E. dasselbe, was für private Anbieter/Konmzerne gilt: Rekommunalisierung mit Tariflöhnen!

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  1. Da hast du völlig recht, lieber Herman. Mir würde fürs Erste schon reichen, wenn sich kirchliche Träger an die normativen gesetzlichen und tariflichen Regeln halten müssten. Das Paralleluniversum aus konfessionellen Sonderwegen im Arbeits-, Steuer- und Tarifrecht ist nicht mehr zeitgemäß (wenn es dies überhaupt jemals war) und gehört abgeschafft.

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