Schade… Fabio De Masi kandidiert nicht mehr für den Bundestag

Der Politiker hat wohl als erster LINKER die Finanzpolitik so deutlich und sachkundig zum Thema gemacht und dabei auf diverse Finanzskandale und auf die Untätigkeit der Politik hingewiesen. Überparteilich und bei Journalist*innen hat er viel Aufmerksamkeit und Respekt erhalten – oft mehr als in der eigenen Partei…

FABIO DE MASI bei der Plan-B-Konferenz in Lissabon (Oktober 2017, Foto: H.U. Soldan-Parima)

Wenn es um Finanzskandale und Finanzpolitik geht, ist Fabio De Masi immer ganz vorne mit dabei – denn er hat Ahnung, liest sich in die kompliziertesten Zusammenhänge ein, klärt auf und kann die Sachlage auch noch verständlich erklären. Das können die Wenigsten, und dafür erhält er viel Anerkennung und Respekt. Im derzeigen Wirecard-Skandal stand er in vorderster Reihe und war in zahlreichen Medienberichten zu sehen, zu hören und zu lesen. Um zur Aufklärung beizutragen, muss er sich oft Nächte im Untersuchungausschuss des Bundestages und anderswo um die Ohren schlagen. – Kein leichtes Politikerleben, und darauf hatte es Fabio De Masi wohl auch nie abgesehen.

Nun hat er dennoch beschlossen, seine parlamentarische Arbeit nicht fortzusetzen – und das nach nur einer Wahlperiode im Deutschen Bundestag. Auch das ist nicht politikertypisch, aber er hat gute (auch private) Gründe dafür. Auch dafür gebührt ihm Anerkennung, auch wenn er fehlen wird, denn Finanzpolitik ist wahrlich nicht die Stärke der Linkspartei, und Expert*innen auf diesem Gebiet sind dort rar gesät…

Apropos Partei… Bei (zu) vielen Genoss*innen der Linkspartei hat(te) Fabio De Masi oft keinen guten Stand, denn er mahnte schon vor Jahren an, dass die Partei nicht ihre Stammwähler*innen verprellen dürfe und eine verständliche Sprache benutzen müsse, um die Aufmerksamkeit der vielen sozial Benachteiligten behalten zu können. Gern gehört wurde das bei ihnen (bis heute) nicht. So sehr er sich Pluspunkte und Respekt erwarb – aus seiner Partei fehlte zu oft neben der notwendigen Sachkenntnis auch die Anerkennung. Und da (ebenfalls zu) viele Genoss*innen offensichtlich nicht sonderlich lernfähig sind, nahmen sie Fabio De Masi auch die Mitgründung der „Aufstehen“-Bewegung (2018) übel – und sahen darin Konkurrenz statt Ergänzung, trotz aller vollmundigen Bekenntnisse zu Bewegungen…

Fabio De Masi ließ sich von solchen innerparteilichen Störfeuern nicht aus der Ruhe bringen und blieb seinen Grundhaltungen treu. Das ist ihm hoch anzurechnen. Bei einem leichteren Stand „im eigenen Stall“ wäre ihm durchaus eine Spitzenposition in Partei und/oder Fraktion möglich gewesen. Dass er sich nun zurüclzieht, ist ein respektabler Schritt, aber er wird fehlen. – Seine Gründe für den Rückzug legt er in einem ausführlichen Statement (hier nachlesen!) dar, dass ich wärmstens zur Lektüre empfehle. – Besonders in der Partei sollte dieses Dokument aufmerksame Beachtung finden…!

Ich habe Fabio De Masi zu seiner Entscheidung dies geschrieben:

Das ist ein wahrhaft offenes und schonungsloses Statement zu deinem Entschluss, nicht mehr zu kandidieren. Ich habe höchsten Respekt dafür, denn du hast in vielerlei Zusammenhang das „Menschenmögliche“ für Gesellschaft, Partei und Fraktion getan und dabei nie ein Blatt vor den Mund genommen. Dies und vieles Andere hat dich aus meiner Sicht für „Höheres“ qualifiziert, aber so haben es einige Genoss*innen nicht gewollt, und nun ist diese Frage erstmal erledigt.

Für die interessierte Öffentlichkeit, für viele Parteimitglieder und wohl auch für einige Medien wirst du fehlen. Vieles in deinem Statement sollte sich eine Reihe von Genoss*innen sehr gründlich zu Gemüte führen, damit linke Politik dort ankommt, wo sie gebraucht wird, denn wir brauchen keine „linken Grünen“ und auch keine akademisierte Außenwirkung in unverständlichen Phrasen.

Ich bin etwas traurig über deinen Entschluss, aber ich kann dich gut verstehen – und er ist wohl auch nötig. – Viel Erfolg bei allem, was nun „danach“ kommt, und beim Genuss neuer Freiheiten! Ich freue mich, dass wir uns in Flensburg und Lissabon mal über den Weg gelaufen sind.

2 Kommentare zu „Schade… Fabio De Masi kandidiert nicht mehr für den Bundestag

  1. Wirklich sehr schade und aus seinem Abschiedsstatement hört man auch viel Frust heraus. Nicht nur in Sachen Cum Ex und Wirecard hat er sich über die Partei hinaus Respekt und Anerkennung erarbeitet. Ich sehe auf Sicht niemanden bei der Linken, die/der ihn in Sachen Wirtschaftskompetenz beerben könnte. Die Linke sollte sich bemühen, jemanden von Attac zu gewinnen. Da laufen viele fähige Leute herum.
    Wagenknecht, Hannemann, Fabio… Die Liste der vergraulten guten Leute wird länger und länger 😦

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    1. Nein, da gibt es wohl wirklich niemanden… Aber die Spitzenfunktionär*innen haben auf dieses Thema auch nie ein Augenmerk gelegt – und Fabio wurde zum (eher außerhalb der Partei) höchst repektablen Einzelkämpfer… Dabei ist „sein“ Thema (Finanzwirtschaft und die daraus erwachsenden Skandale) eines der zentralsten, was eine linke Partei eigentlich hat… Doch das wollen (oder können!) viele Linke nicht erkennen – schon gar nicht, wenn sie sich in die innerparteiliche Wohlfühl-Atmosphäre einigeln, wie sie das auch aktuell wieder tun… Die Öffentlichkeit jedenfalls goutiert diese „Kuschel-Linke“ (nach innen oder mit Regierungsfantasien) jedenfalls nicht, wie sich seit vielen Monaten erkennen lässt… Da kann an die Spitze gewählt werden, wer will… – Fabios Rückzug zeigt wieder einmal, wie viel die Linkspartei eigentlich zu verlieren hat.

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