Die jetzige Krise demaskiert den Kapitalismus (noch mehr)…

In der Regel sind die meisten der sozialen, gewalttätigen und klimafeindlichen Krisen durch das kapitalistische System erkennbar „hausgemacht“. Für die derzeitige Corona-Krise gilt das scheinbar nur bedingt. Das Virus mag zwar durch das immer stärkere Eindringen der Menschheit in vorher unberührte Natur- und Virusräume in die menschliche Zivilisation gelangt sein, aber es hat keine direkt systemrelevante Ursache. Der Umgang damit (insbesondere in der „westlich“ geprägten Welt) zeigt jedoch deutlich, dass die Auswirkungen auf die Gesellschaft „typisch kapitalistisch“ sind…

Schauen wir jedoch zunächst mal – stark verkürzt – auf das Wesen bisheriger Krisen: Es eint sie das Drängen wirtschaftlicher Eliten nach immer mehr Warenumsatz und Profit. Ermöglicht wird dies politisch (und meistens „irgendwie“ demokratisch legitimiert!) durch die jeweiligen politischen Mehrheiten in Parlamenten und Regierungen. Die scheinbar gegensätzliche Entwicklung von kapitalistischen, ausbeuterischen Strukturen und bürgerlicher Demokratie seit dem 19. Jahrhundert widerspricht sich dabei nicht, sondern „arbeitet Hand in Hand“.

➡️ Die meisten Krisen sind „hausgemacht“ – mit katastrophalen Folgen

So wurde der sich rasant entwickelnder, ohne Richtlinien entfesselte sowie profit- und machtgierige Kapitalismus nach 1850 zum Inbegriff der „Jagd nach immer mehr“. – Mit politischer Unterstützung führte er zu staatlichem Machtstreben (Imperialismus), machtpolitischem Drohgebaren (Militarismus), weltweit verschärfter Ausplünderung (Kolonialismus) und sozialer Unterdrückung der hart arbeitenden Bevölkerung, die den Reichsten die Profite und immer mehr Macht ermöglichte und selbst (trotz zunehmenden Protests) ohne deutlichen Einfluss ums Überleben zu kämpfen hatte. Und wenn all dies nicht zu genug Macht und Profit führte, gipfelte der Kapitalismus in Faschismus und Terror, wie die Geschichte mehrfach beweist.

Die Folgen dieser „modernen Zivilisation“, die immer auch ein paar heiß begehrte Brotkrumen des Reichtums nach unten fallen ließ, kennen wir… Die beiden Weltkriege, aber auch die so genannten „modernen Kriege“ (von Korea und Vietnam bis hin zu postkolonialen Befreiungskriegen oder den Kriegen im Nahen und Mittleren Osten) sind, dirigiert auch von Rassenhass und Massenmord, die traurigen und menschenverachtenden Ereignisse, die die Aggressivität des kapitalistischen Systems seit über 150 Jahren deutlich machen. Direkt und indirekt mussten dafür seitdem Hunderte von Millionen ihr Leben lassen, während die wirtschaftlichen und politischen Eliten sich daran bereicherten oder im Falle eines Zusammenbruchs oft schnell wieder „obenauf“ waren.

➡️ Der Kapitalismus „rettet“ niemanden aus Krisen – außer „sich selbst“ und die Eliten

Zu dieser Form von dauerhafter Gewalt der „modernen Zivilisation“, sprich: des Kapitalismus, gehört auch die rücksichtslose Ausplünderung von Natur, Tier- und Pflanzenwelt und Klima, die um einige Jahrzehnte zeitversetzt erst jetzt die gesammelten Resultate offenbart. Wie bei Kriegen und Massenarmut gilt auch hier: Niemand darf behaupten, dies sei nicht vorhersehbar gewesen, denn die kritischen Analysen und die reichlichen Fakten liegen schon lange auf dem Tisch.

Und da es im Kapitalismus – entgegen aller Vorurteile – nicht immer nur ums materielle Geld geht, sondern bis heute immer mehr um Aktien und andere Schuldschein-Konstruktionen, gehört die nahezu unbegrenzte Spekulation damit zum Kernmerkmal des Kapitalismus. Spekuliert wird mit Geld- und Firmenwerten, aber auch mit Währungen, Nahrungsmitteln, Wohnraum sowie Rohstoffen und anderen Naturressourcen. Da ist es nicht verwunderlich, dass diese unkontrollierte Spirale fast regelmäßig zu sog. „Finanzkrisen“ führt. Abgeladen werden ihre Folgen wiederum zumeist auf den Schultern der Ärmsten, die noch ärmer werden und letzte Ersparnisse verlieren, während sich die Eliten, von einigen unliebsamen Konkurrenten befreit, daran noch bereichern.

Die oben erwähnten Krisenerscheinungen sind nicht einfach nur dem kapitalistischen System innewohnend, sie werden vielmehr durch die Wirtschafts- und Politikeliten wissentlich in Kauf genommen oder sogar befördert – mit dem Risiko eines Spielsüchtigen, daraus noch mehr in die eigenen Taschen zu „wirtschaften“, koste es die Anderen oder den Planeten, was es wolle!

➡️ Systemerhalt ist in der Corona-Krise wichtiger als soziale Gerechtigkeit

Und nun auch noch die Corona-Wirtschaftskrise: Sie erscheint neu, weil uns ihre Ursachen neu vorkommen. Doch im Krisenmanagement kommen wieder die typischen Phänomene zum Vorschein: Weil „die Wirtschaft“ und der Konsum als Kerne der Gesellschaft gelten, werden dort Milliarden hineingepumpt, um das kapitalistische Gesellschaftskonstrukt am Leben zu erhalten. Viele Menschen hierzulande oder in der südlichen Welt bleiben hingegen auf der Strecke. Sie verlieren ihre Arbeit und somit einen Teil ihrer Einkommen oder mühsam Erspartes. Und ginge es nach den – nachweislich kapitalismustreuen – „Wirtschaftsexpert*innen“ sowie den Eliten selbst, sollen die hohen Kosten dafür zum Großteil wiederum die Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen tragen.

Dabei wird nun besonders deutlich, dass privatisierte Sozial- oder Dienstleistungen, die seit einigen Jahrzehnten staatlicher Kontrolle weitgehend entzogen sind und profitorientiert arbeiten müssen, die soziale Struktur noch weiter verschärfen. Viele Krankenhäuser sind im Kostensparmodus, der Nahverkehr ist oft veraltet und nicht attraktiv genug – und durch die Steuergeschenke für die Reichsten kommt z.B. auch das Bildungssystem in eine verschärfte finanzielle und soziale Schieflage. So überrascht es nicht, dass die Krisenverlierer*innen die Ärmsten und die Mittelschicht sind, während die Reichsten wieder einmal noch reicher aus der Krise hervorgehen…

➡️ Der Umgang mit der Corona-Krise spaltet die Gesellschaft noch weiter

Das ist „gewöhnlicher Kapitalismus“ mit modernem Anstrich des hochgejubelten Konsums – und deshalb ist die derzeitige coronabedingte Wirtschaftskrise also eigentlich gar nichts Neues. Sie verschärft allerdings die seit einigen Jahrzehnten wirtschaftlich und politisch gewollte Ungleichheit und schwächt gleichzeitig die gesellschaftliche Demokratie in noch schnellerem Tempo. – Vielen Menschen wird daher erst jetzt in der Krise besonders bewusst, dass die teils privatisierte Daseinsvorsorge (besonders im Gesundheitssystem) und der selbstentmachtete Staat sich für den Großteil der Bevölkerung negativ auswirken.

Und sie ahnen, dass sie auch diesmal für die Krise blechen müssen, weil eine soziale Umverteilung durch Vermögensabgabe, Reichensteuern und ein gerechtes Steuersystem ebenso wie eine deutliche Verminderung der Rüstungsausgaben eine Illusion bleiben wird. Es wird bestenfalls ein paar kosmetische Reparaturen geben, doch zu mehr sind der Staat und die große Mehrheit der politischen Entscheidungsträger*innen weder fähig noch willens… Dabei wären dadurch jährlich zwei- bis dreistellige Milliardenbeträge zu holen, die die Kosten der Krise auffangen könnten, ohne dass es jemandem „wehtut“ – doch genau das ist nicht der „Sinn“ des kapitalistischen Systems!

➡️ Die Schwächung der Demokratie ist einkalkuliert – und wird zur Gefahr

So rächt es sich derzeit wieder einmal besonders deutlich, dass das System Kapitalismus mit der bürgerlichen Demokratie „Hand in Hand“ geht. Denn: Macht das System das eigene Leben zum gefährlichen Balanceakt, taugt auch das parlamentarische System, das viele Entscheidung zulasten der Schwächsten zu verantworten hat, nichts mehr.. Die eigene Situation wird vielmehr für viele zur „Zwangsjacke“, die eigene Beteiligung oder Widerstand nicht mehr zulassen. – Die Verantwortlichen dafür sitzen in den Wirtschaftsetagen sowie in den meisten politischen Parteien – aber sie erklären sich wie ehedem für Demokratiedefizite und bedrängte Lebensverhältnisse als nicht zuständig oder versprühen zwanghaft „Systemoptimismus“. – Einige „Unheile“ haben so schon ihren Lauf genommen…

Unterm Strich bleibt: Der Kapitalismus „kann‘s nicht“ – und sollte auch nicht als das „Ende der Geschichte“ angesehen werden… Denn es gibt ja soziale Alternativen, doch sie werden durch die Systemlautsprecher*innen bisher immer noch „erfolgreich“ diskreditiert und erreichen so keine demokratischen Mehrheiten. – Und so bleibt uns auch heute erstmal nicht mehr als das Brecht‘sche Wort: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen – den Vorhang zu und alle Fragen offen“…

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