So viel Rummel um Weihnachten war nie…

Dieser Artikel klingt wie eine Weihnachtsansprache… und ist (entgegen meiner Gewohnheit) vielleicht auch eine…

Die Corona-Verhinderungsmaßnahmen zu den Feiertagen scheinen so manchen Gewohnheiten gleich mehrere Riegel vorzuschieben: Begrenzte Personenzahl, geschlossene Geschäfte und eingeschränkte Reisemöglichkeiten. – Alles sehr bedauerlich für diejenigen, die es zum Jahresendfest besonders groß mögen oder sogar einen modernen Event daraus veranstalten.

„Was wird denn bloß aus Weihnachten?“, hieß es wochenlang in nahezu jeder Sendung oder jedem Artikel – und auch die Politik schaukelte das Fest zu ungeahnter Bedeutung hoch: Würden wir uns alle (!) im November brav an die basalen Corona-Regeln halten, dann stünde den festlichen Aktivitäten, wie viele sie gewohnt sind, nichts mehr im Wege…

Pustekuchen…! Es gab zu viele, die gar nicht daran dachten, Regeln einzuhalten – und das schon im Oktober und November! Waren es 8 oder 15 oder 10 Prozent, die ohne Masken (und im rechten Dunstkreis) dichtgedrängt zu Hunderten oder Tausenden gegen die Corona-Politik demonstrierend durch die Innenstädte zogen und dafür in vollen Bussen und Zügen angereist waren? Oder die in Garagen, Partykellern und Wohnzimmern oder in Parks und vor Kneipen die Party-Sau rausließen? Oder die Hotelzimmer mieteten, um da die Korken knallen zu lassen oder vielleicht auch ‘nen Puff draus zu machen? Oder die unbedingt noch in die Ferien fliegen mussten?

Egal, wie viele Prozent der Bevölkerung es waren… Es waren entschieden zu viele. Ja, jede*r Einzelne war schon zu viel. Es dauerte einige Wochen, bis das Virus aus diesen Hotspots in Familien, Freundeskreisen und insbesondere beim Pflegepersonal und damit auch bei den Risikogruppen angekommen war. Die Ergebnisse sehen wir seit ein paar Wochen: Hohe Infektions- und Sterberaten und volle Intensivstationen bei fehlendem bzw. stark überlastetem (und oft unterbezahltem!) medizinischen Personal.

War also unterm Strich nix mit „brav“… Die unbelehrbaren Egoist*innen haben auf genau die Solidarität gepfiffen, um die sich die übergroße Mehrheit der Bevölkerung seit Monaten bemüht und für die sie Einschränkungen zähneknirschend in Kauf nahm. Und deshalb werden nun auch die Feiertage für viele etwas anders aussehen.

Aber wie war das denn noch gleich mit Weihnachten? War das für viele nicht immer viel Stress – vorher und auch mittendrin? Teure Geschenkeberge? Der tagelange Kampf um das Familienidyll? Immer wieder zu viel oder zu wenig Lametta – und dann noch wenigstens einmal im Jahr in die proppevolle Kirche? Logistische Meisterleistungen, um irgendwie und irgendwo alle in der Familie zufriedenzustellen (ob es ihnen gefiel oder nicht)?

Und haben nicht auch viele Weihnachtsmuffel aus diesem Fest „etwas Besonderes“ gemacht? Koch-Orgien mit Freund*innen und Bekannten? Horror-Filme aus dem Archiv und Dosenbier in größerer Runde, um bloß nichts mit diesem Fest zu tun haben zu müssen? – Und haben nicht auch sehr viele den eigentlichen Sinn dieses Festen vergessen oder verdrängt und viel zu viel (auch alternativen) Tam-Tam veranstaltet?

Und all das sollte mit den November-Maßnahmen gerettet werden? „Brav sein“ und alles wieder so machen wie jedes Jahr! Daraus wird nun aber vielerorts nicht viel… Jetzt müssen Besuchszahlen durchgerechnet (und hier und da wohl auch ausgereizt und umgangen) werden. Jetzt muss eine neue Logistik her, damit die Familienältesten, die des öfteren noch etwas anderes mit dem Fest verbinden, nicht alleine bleiben.

Seitens der verantwortlichen Politik wurde also rhetorisch etwas zu viel auf die Festtage geschielt und ein harmonisches Weihnachtsbild verbreitet, das es so schon recht lange nicht mehr gibt. – Warum hat eigentlich schon im Herbst niemand presseöffentlich gesagt, dass das Fest drei Nummern kleiner oder vielleicht auch ganz ausfallen müsse, wenn (zumindest) die meisten sich und andere schützen wollen? – Jetzt klingt alles wie eine hektische Zwangsmaßnahme, die entweder Frust oder sogar Widerstand erzeugen könnte!

Aber: Besteht gerade jetzt nicht vielleicht doch die Chance, das auch aus kapitalistisch-wirtschaftlichen Gründen so überhöhte und materiell wie auch emotional oft übertriebene Jahresend-Fest einer Revision zu unterziehen… Erwartungen zu reduzieren… Planungen und Event-Auswüchse abzuspecken… – So, wie es übrigens viele Millionen Menschen, die sich den Rummel ohnehin nicht leisten können, weil Löhne, Renten und Transferleistungen mit dem medial verbreiteten Konsumrausch nicht mithalten können, schon jetzt tun (müssen). Denn: Die Realität, wie sie uns bisweilen vorgezeigt wird, „sie ist nicht so“…

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