Bizarre Corona-Ver(w)irrungen…

Infektionsanstiege und die Weiterverbreitung wären beherrschbarer, wenn ALLE Menschen Vernunft einsetzen würden – doch das ist wohl eine nicht ganz neue Illusion…

Die Corona-Debatten in der politischen und medialen Öffentlichkeit, aber auch in den sog. „sozialen“ Netzwerken werden zunehmend grotesker. – Darüber, dass es Corona-Leugnung und -Verharmlosung gibt, rege ich mich (fast) schon nicht mehr auf. Denn nun sind (glaubt man den Medienschnipseln) weite Teile der Bevölkerung darüber irritiert, dass es bei Ferienreisen innerhalb der BRD sooo viele unterschiedliche Regelungen zu Quarantäne-Regelungen und Beherbergungsverboten gibt…

Dabei ist es doch recht einfach: Wenn Reiselustige aus Berlin-Mitte einen Urlaub in Schleswig-Holstein planen, dann gelten die Regeln des dortigen Bundeslandes – und sie müssen sich nicht mit den Regeln in Bayern oder NRW auseinandersetzen. Schließlich muss man für einen Aufenthalt in Scharbeutz weder die Stuttgarter noch die Osnabrücker Regeln kennen. Sollten die Regelungen an der Ostsee nicht den Erwartungen entsprechen, lässt man die Planung fallen, storniert die Buchung oder setzt sich danach mit den Regeln eines neuen Bundeslandes auseinander – oder…

…ja, oder: Man bleibt gleich besser zu Hause und verreist eben mal nicht! Dass es im Herbst und Winter zu einem Anstieg der Infektionen kommen würde, ist ja nicht erst seit „gestern“ bekannt – und welche Risiken dann mit einer Reiseplanung verbunden sind, ist auch keine Überraschung… Wer also reisen will, sollte sich über die Konsequenzen im Klaren sein.

Doch so viel Vernunft und Weitblick liegen bei einigen Leuten – trotz der bekannten Situation – nicht im Trend… Und so ist die Irritation und die Verunsicherung groß. Die meisten von ihnen haben ja zum Infektionsanstieg an ihren Wohnorten selbst gar nichts beigetragen und wollen nicht einsehen, dass Länder und Kommunen in den Reisezielen ihre Leute vor einem Ansteckungsrisiko bewahren wollen (und müssen)…

Ach ja, und dann sind da noch diejenigen, die angesichts geringer Todesfälle meinen, dass die ganzen Corona-Maßnahmen ohnehin keinen Sinn machen – oder womöglich Zeichen eines diktatorischen Staatssystems sind, die selbstverschuldet hilflose oder gar aggressive Wutbürger-Gemeinde also…

Dass sich derzeit eher jüngere Leute (unter 40) anstecken, liegt seit Wochen in den meisten Fällen an den (noch nicht mal) zehn Prozent Ego-Partyfetischisten, die alle Regeln (teils sogar vorsätzlich) missachten, um sich in Kneipen, Parks oder privat kollektiv zu besaufen (warum man das „Feiern“ nennt, ist mir ein Rätsel!) oder Riesen-Events abzuhalten bzw. beizuwohnen – oder einfach nur Maskenverweigerung zu demonstrieren.

Die Konsequenz dieses (gelinde gesagt) Leichtsinns ist die von ihnen ausgehende Weiterverbreitung des Virus im Familien- und Freundeskreis, am Arbeitsplatz – und im schlimmsten Fall an gefährdete ältere Menschen. Sie verstehen nicht (und wollen nicht verstehen), dass es nicht um ihren Schutz geht, sondern um den vieler anderer Menschen! Und so sind oft größere Städte zentrale Infektions-Hotspots. Noch… – denn die Verbreitung in die Provinz ist bereits auf den Karten ablesbar.

Und warum sterben derzeit bei uns (noch) so „wenige“ Menschen an Covid-19…? Nun, die Infizierten sind jünger (siehe oben), und 90 Prozent halten sich an die Regeln. Die Corona-Maßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen verhindern eine schnelle(re) Ausbreitung in Krankenhäuser, Senioreneinrichtungen und andere gefährdete Bereiche. Hier wollen diejenigen, die Corona verharmlosen, den Ursache-Wirkung-Zusammenhang nicht begreifen – und kehren ihn kurzerhand um: „Es ist ja gar nicht so schlimm, also weg mit Masken und Beschränkungen!“, tönen sie mit Scheuklappen (bzw. „Masken“) vor den Augen und der irrationalen Sehnsucht nach Vor-Corona-Zuständen – und scheren sich auch dabei nicht um die Folgen, denn die tragen sie ja oft nicht selbst…

Brasilianische, US-amerikanische, spanische oder französische Verhältnisse sind übrigens die Folge von fehlenden staatlichen Maßnahmen oder einer noch größeren privaten Nachlässigkeit (oder beidem). Sie wären eine mögliche Folge des Ausstiegs aus den hier geltenden Corona-Maßnahmen – zu Lasten der Menschen mit hohem Risiko einer Erkrankung und langfristigen schweren Folgen. – Eine Reduzierung oder sogar Abschaffung können nur diejenigen wollen, denen die Solidarität mit den (gesundheitlich) Schwächsten egal ist – und die nur sich selbst am nächsten sind.

Und damit sind wir wieder bei den knapp zehn Prozent in diesem Land, deren Horizont stark an den Schläfen kneift, wenn sie Massenpartys abhalten oder anderweitig den Schutz ihres (im weitesten Sinne!) gesellschaftlichen Umfeldes ignorieren. Sie sind es größtenteils auch, die die Ostsee-Reise anderer Menschen erschweren oder verhindern – und Hotspots erzeugen, die zu Beherbergungsverboten an anderen Orten führen. Dennoch: Wer in einem solchen Hotspot wohnt, muss nun die Verantwortung für die vergleichsweise wenigen Unverantwortlichen mit übernehmen und auch selber kürzertreten, um die Verbreitung des Virus zu minimieren.

Es bleibt also dabei: Masken auf, größere Gruppen meiden, Hygieneregeln befolgen – und hier und da auch mal etwas verzichten, für sich und andere. Das alles ist, wenn es mit Vernunft geschieht, weit weg von „Diktatur“ und ähnlichen Fantasien…

Ein Kommentar zu „Bizarre Corona-Ver(w)irrungen…

  1. Lieber Herman,

    danke für diesen klugen und besonnenen sowie ohnehin goldrichtigen Beitrag.

    Der Mensch an sich ist einfach gestrickt und denkt im Zweifel zuerst an sich. Wenn sich so in den Einkaufszentren unterwegs bin stelle ich fest, dass es eher die Erwachsenen (und von denen die älteren) sind, die sich nicht an die Regeln halten. Die Kinder sind alle vorschriftsmäßig maskiert.

    Natürlich hast du Recht, wenn du sagst, dass kollektive Besäufnisse in der Öffentlichkeit in diesen Zeiten nicht sein müssen. Allerdings, wenn ich so an die Mitte der 80er zurückdenke, als ich in dem entsprechenden Alter war… ich wäre auch ganz schön wuschig geworden, wenn „Paaaadie“ über Monate verboten gewesen wäre.
    Insofern sehe ich evtl. Alkoholverbote eher kritisch. Dann verlagern sich die Feiern mit reichlich Alk eher in den privaten Bereich. In geschlossenen Räumen. Na, ich weiß ja nicht…

    Neben den Reiserückkehrern, den Schlachthöfen und den Partywütigen sind es, das gehört leider zur Wahrheit dazu, auch Hochzeiten und Familienfeiern zumeist migrantischer Familien, die mit hunderten Teilnehmern feiern, als gehe sie Corona überhaupt nichts an.

    Es wird noch Heulen und Zähneklappern geben. Der Winter steht vor der Tür und die Zahlen werden weiter steigen. Am Ende werden es wieder die Schwachen der Gesellschaft sein, die den größten Zeil der Zeche zahlen: Personal und Patienten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, alle im Dienstleistungsgewerbe arbeitenden, die nicht ins Homeoffice gehen können usw usf.

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