Lese-Tipp – Heute: Medienkritik

Kontrast.at (Österreich, 10.06.2018): Das Geschäft mit der Wahrheit: Wie Medien gesteuert werden. Noam Chomsky & Edward S. Herman

Dieser Artikel (von 2018) regt zum Nachdenken an, denn er problematisiert den Zustand der „freien Presse“. Er beruft sich auf die medienkritischen Untersuchungen Noah Chomskys und Edward S. Hermans (beide aus den USA), deren Anfänge bereits 1988 publiziert wurden und von einer „systematischen Verzerrung der Berichterstattung“ sprechen. – Die Kernthese ist: „Welche Themen wir beim Kaffee diskutieren oder am Stammtisch die Gemüter erregen, ist Ergebnis einer behutsamen Vor-Auswahl. Unter dem Einfluss der Regierungen werden Themen gesetzt, oft über mehrere Tage hochgekocht, oder auch unter den Tisch fallen gelassen. Gerade was nicht berichtet wird, sei besonders mächtig. So wird in der Öffentlichkeit ein Konsens erzeugt, der das System stabilisieren soll“, schreibt das österreichische Magazin Kontrast.at in einem Porträt Noah Chomskys.

Ich möchte hier noch hinzufügen: Auch in unserer Zeit sind solche Verzerrungen zu beobachten, die von einem Großteil der „gängigen“ Medien teils bewusst, teils unkritisch verbreitet werden. Dahinter stehen politische oder konzerngesteuerte Interessen, die zu einer journalistischen Schere im Kopf führen. Wie wenig sich die „freie Presse“ damit selbst und der Gesellschaft einen Dienst erweist, wird in unserer Zeit besonders deutlich: Der pauschalisierende „Lügenpresse“-Vorwurf hat sich in einigen Kreisen zur Allzweckwaffe entwickelt und hat Hunderttausende von einer sachlich-kritischen Debatte zur Medien-Berichterstattung entfremdet oder sie sogar dumpfen Verschwörungstheorien folgen lassen.

Aber: Es gibt keine Verbote für kritischen Journalismus – und Kritik ist auch in „gängigen“ Medien immer wieder zu finden: „Report“- oder „Panorama“-Beiträge zeugen davon, aber auch Artikel in der „Zeit“ und im „Freitag“, um nur mal einige deutsche Beispiele zu nennen. – Es geht also nicht um eine totalitäre Zensur unliebsamer oder kritischer Meinungen, sondern um die „systematische Verzerrung“, das Weglassen oder das Hoch-„Pushen“ von Themen vornehmlich in stark frequentierten Flaggschiffen wie Boulevardmedien, Nachrichtensendungen oder stark systemtreu agierenden Redaktionen. Sie gelten oft als „seriös“ oder „verlässlich“, sind es aber aus den oben genannten Gründen nicht, denn sie lassen bestenfalls verschämt Gegenargumente zu – bei völkerrechtswidrigen Kriegen, bei den Machenschaften multinationaler Konzerne oder bei der zunehmenden Armut in nahezu allen Gesellschaften.

Bei diesen Themen gilt es deshalb, vernehmlich „gegenzuhalten“ – und immer wieder darzustellen, in wessen Interesse einseitige Berichterstattung liegt. „Lügenpresse“ zu brüllen, ist zu „schlicht“ und zu einfallslos, und es verhindert den mediendemokratischen Diskurs!

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