Wie „ganz anders machen“…?

Dieser Satz (siehe Grafik) sollte uns zu denken geben, denn er drückt wohl genau das aus, was sich derzeit (oft im schrillen Diskant) in den Diskussionen um Auswege und Konsequenzen aus der Corona-Krise zeigt. – Es ist ziemlich ideenlos und nicht ungefährlich, nun so schnell wie möglich zu den Zuständen davor zurückkehren zu wollen, hat sich doch nur zu deutlich gezeigt, wie groß die Schieflage des kapitalistischen Wirtschaftssystems ist. – Analysen dazu gibt es bereits genug, und vieles zeigt sich uns im Alltag ganz deutlich.

Das Machtsystem der Konzerne und der Finanzindustrie sowie der dort beheimateten Eliten der Oberschicht steht ebenso „nackt“ da wie das heruntergewirtschaftete und zu Tode privatisierte System der sozialen Leistungen und der Einkommen und Renten für große Teile der Normal-Gesellschaft. „Aber sie haben ja gar nichts an“, möchte man den dafür verantwortlichen Politik- und Wirtschaftseliten (frei nach H.C. Andersen) zurufen, die sich nun vehement um ihre (auch finanzielle) Verantwortung herumdrücken und keinen Cent lockermachen wollen.

Umso wichtiger ist es nun, mit sachlichen (!) Argumenten dafür einzutreten, dass „die Großen“ den Löwenanteil der Krisenbewältigung zu schultern haben und dass die Millionen von Menschen, deren Einkommen nun nochmals geschmälert werden, nicht mit Brosamen abgespeist werden dürfen. – „Soziale Umverteilung“ ist das Gebot dieser Zeit: Vermögenssteuern, eine Vermögensabgabe und ein gerechtes Steuersystem müssen her, damit Niedriglohnarbeit gestoppt wird, damit armutsfreie Mindestsicherungen, Mindestlöhne und Mindestrenten gezahlt werden können – und damit Bund, Länder und Kommunen die notwendigen Investitionen für soziale Sicherheit und eine dringend erforderliche Klima-, Verkehrs- und Energiewende tätigen können!

Wann, wenn nicht jetzt, können dafür die Weichen gestellt werden? Es könnte die letzte Gelegenheit sein, um weitere (bereits prognostizierte) Krisen zu verhindern bzw. für sie gerüstet zu sein. Weder Götter noch das Grundgesetz zwingen uns zum derzeitigen immer unmenschlicher und asozialer agierenden Kapitalismus, der nicht das Wohl von Mensch und Natur zum Ziel hat, sondern nur den Profit der Wenigen auf Kosten der Vielen – hierzulande und weltweit. Wir können, wir wollen und wir sollten uns dieses System nicht mehr „leisten“. Ab jetzt, müssen (!) wir „vieles ganz anders machen“ – wir haben keine Wahl mehr, uns wegzuducken und womöglich (wieder!) die falschen Sündenböcke an den Pranger zu stellen!

2 Kommentare zu „Wie „ganz anders machen“…?

  1. 100 Prozent Zustimmung, lieber Herman.
    Leider zeigen die Zeichen der Zeit wie schon befürchtet in eine andere Richtung. Alles soll wieder werden wie es vor Corona war, sei es in der Automobilindustrie, sei es bei der Lufthansa.
    Um so wichtiger ist nun eine wache Zivilgesellschaft, die laut „Stopp“ ruft!! Gibt es diese Zivilgesellschaft überhaupt noch oder sitzt sie gesammelt im Homeoffice, voll darauf konzentriert, Beruf und Kinderhüten irgendwie zu managen? Wird es FFF noch einmal schaffen, so präsent zu werden, dass es die Regierung zum Handeln zwingen kann? Corona wird uns noch eine Weile erhalten bleiben und jetzt werden die finanziellen Pflöcke in den Boden gerammt, die die wirtschafts- und sozialpolitische Agenda der nächsten Zeit bestimmen werden.

    Grund genug, sehr aufmerksam zu sein!

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    1. Lieber Jochen, ich glaube, EIN wichtiges Problem der engagierten Teile der Zivilgesellschaft, liegt in ihr selbst… Oft (nicht immer) erwächst Protest gegen gesellschaftliche Phänomene aus einer emotionalen (und zu wenig oder gar nicht analytisch begründeten) Situation heraus. Welch ein Aufschrei – und welche Massenmoblisierung erleben wir wegen des Mordes an George Floyd zurzeit!!! Das Entsetzen ging (zu Recht) hoch – aber wohl auch, weil „wir“ die entsetzliche Szene medial nahezu „live und in Farbe“ miterlebt haben – wer wollte, gleich mehrfach… Viele andere ähnlich brutale Fälle erreichen „uns“ nicht oder sind nicht schaurig genug oder „wir“ gucken einfach nicht hin – und deshalb reagieren „wir“ dann auch nicht oder nur verhalten. – Ich halte diese punktuellen Aufschreie für problematisch, denn sie verstellen auch den Blick „aufs Ganze“ – und sie haben ein kurzes Haltbarkeitsdatum…

      Bei „FFF“ sehe ich die Situation anders. Ich glaube, diese Bewegung wird in irgendeiner Form weiter bestehen, denn hier wurden und werden die o.g. Fehler nicht gemacht. Ihre Botschaften sind analytisch begründet und deswegen „haltbar“ und nicht sensationell. „FFF“ kanalisiert den Protest auf eine zumeist rationale Weise (ohne die Gefühlslagen gänzlich auszublenden) und adressiert sehr deutlich die Zuständigkeiten an Wirtschaft und Politik.

      In Bereichen von Rekord-Rüstungsexporten oder sozialer und materieller Ungerechtigkeit hingegen funktioniert die Zivilgesellschaft überhaupt nicht – und für die Ärmsten der Gesellschaft geht niemand auf die Straße – weder aus Solidarität noch mit der Forderung, die Reichsten um einige Milliarden, die sie sich mit politischer Zustimmung ergaunert haben, zu erleichtern… Das ist den Leuten wohl alles „zu links“… Da hapert’s hier und da eben auch gewaltig mit der Bildung – Abi hin, Mittelklasse her…

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