đŸ‡”đŸ‡č Vor 10 Jahren: Eyjafjallajökull…

Oder: Wie ein islĂ€ndischer Vulkan mich in Lissabon ausbremste und auch der dĂ€nischen Königin (ein wenig) nĂ€her brachte…

Im April 2010 war ich in Salvador da Bahia (Brasilien), als in Island der Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach… Davon hatte ich in den dortigen Nachrichten kurz etwas mitbekommen, aber es war eine knappe Meldung ohne Dramatik. Drei Tage spĂ€ter musste ich zurĂŒck nach Europa. Erst am Flughafen wurde klar, dass durch die große Vulkan-Aschewolke bereits weit ĂŒber die HĂ€lfte aller FlĂŒge in und nach Europa gecancelled worden war – auch meiner von Salvador mit der „TAP Portugal“ nach Lissabon! Doch der brasilianische Service war trotz der Ereignisse recht unaufgeregt und buchte mich ĂŒber Fortaleza auf eine dort startende TAP-Maschine nach Lissabon um.

Über den Anschlussflug am nĂ€chsten Morgen nach Hamburg gab es in Salvador allerdings keine Informationen… Die erhielt ich dann nach meiner Ankunft am 18.04. in Lissabon: Im europĂ€ischen Luftraum ging inzwischen nichts mehr! Das Personal am Lissaboner Flughafen war schon etwas aufgeregter, denn tausende „Gestrandete“ standen dort ĂŒberall in langen Schlangen an den Informationsschaltern – auch ich, gleich in mehreren nacheinander… Die Auskunft lautete – wenn auch in verschiedenen Sprachen – immer gleich: „Wir können nichts fĂŒr Sie tun, es gibt keine FlĂŒge“…

Also machte ich mich nach zwei Stunden Airport-Chaos aus dem Staube und fand nach einer kurzen Busfahrt das „Hotel Roma“ im mir schon recht gut bekannten Stadtteil Areeiro. Dort herrschte angenehme Ruhe und freie Zimmer gab’s auch, sogar fĂŒr eine unbekannte Anzahl Übernachtungen – Ótimo! (Perfekt!). – Als ich allerdings eine gute Stunde spĂ€ter wieder in die weitrĂ€umige Empfangshalle herunterkam, sah es dort aus wie am Flughafen…! Alle mir inzwischen von dort Nachgefolgten suchten nach Zimmern – und inzwischen war das „Roma“ total ausgebucht. Ich zwĂ€ngte mich durch das hektische GewĂŒhl vor der Rezeption und entfloh in die Stadt, die ich ja von ein paar Besuchen vorher schon kannte.

Lissabon erschien mir als der „beste Ort der Welt“, um in diesem kontinentalen Flugchaos, in dem nichts mehr ging, „zwischenzulanden“… Nicht nur mit dem Hotelzimmer hatte ich also viel GlĂŒck gehabt… – An den nĂ€chsten Tagen fuhr ich nach dem FrĂŒhstĂŒck immer wieder zum Flughafen, um irgendeinen RĂŒckflug zu ergattern, denn die Service-Hotline der TAP war stĂ€ndig hoffnungslos ĂŒberlastet. – Aber vor Ort waren die Schlangen lang, und FlĂŒge gab es auch keine… Das hieß: „Lissabon und ich“ gehörten erstmal zusammen – und das gefiel mir ausnehmend gut… So nahm ich mir die Zeit, viele neue Orte zu Fuß oder (etwas außerhalb) auch mit Metro und Bus zu erkunden. Es wurden herrliche Tage…

Am fĂŒnften Morgen auf dem Flughafen gab es dann eine unerwartete Wendung: Ich hörte eine kleinere dĂ€nische Touristengruppe, in der eine RĂŒckfahrt per Reisebus besprochen wurde. Der Bus sei fĂŒr den nĂ€chsten Tag mit drei Fahrern gebucht, es fehlten nur noch weitere Reisende, die sich an den recht hohen Fahrtkosten beteiligen könnten. Wir kamen schnell ins GesprĂ€ch, und ich wurde ebenso schnell Teil dieser Reisegruppe – zumal der Bus ĂŒber Flensburg nach Kopenhagen fahren sollte. Am nĂ€chsten Morgen (23.04.) war die Abreise fĂŒr 7 Uhr morgens verabredet…

„V.I.P.“ stand draußen am Bus, und er erwies sich als ein „Luxusliner“ – modern und mit viel Platz. Als der erste Fahrer uns per Mikrofon etwas außerhalb von Lissabon begrĂŒĂŸte, wurde meine Vermutung bestĂ€tigt: Nur eine Woche vorher war die dĂ€nische Königin Margrethe II. nebst royaler Familie zu ihrem 70. Geburtstag mit diesem Bus mehrmals durch Kopenhagen gefahren worden! – Nicht schlecht, dachte ich und genoss die Reise noch ein bisschen mehr…

Es ging durch die Beira, eine schöne und abwechslungsreiche portugiesische Landschaft, die ich spĂ€ter noch mehrmals bereisen sollte, danach durch Nordspanien und das Baskenland (San SebastiĂĄn). Kurz vor Mitternacht fuhren wir nach Frankreich hinein, aber ich schlief bereits und wachte erst in Belgien wieder auf… Fast 40 Stunden dauerte diese besondere, 2400 Kilometer lange Reise, bis ich am darauffolgenden spĂ€ten Abend in Harrislee bei Flensburg ausstieg. Ich hatte (zumindest in ihrem ersten Teil) einen bleibenden Eindruck davon bekommen, wie schön es sein könnte, irgendwann einmal mit dem Auto nach Portugal zu fahren…

Diese Autoreise steht immer noch aus, aber die herrlichen Tage in und um Lissabon vor genau 10 Jahren hatten meine Neugier und meine Reiselust geweckt: Seither war ich schon 25mal in Portugal und habe nahezu alle Regionen dieses wunderschönen Landes bereist. Gut 10 grĂ¶ĂŸere Autotouren sowie einige Bus- und Zugfahrten fĂŒhrten mich in historische Dörfer, zu unzĂ€hligen Burgen, in stille Landschaften, an alle KĂŒstenabschnitte und in viele liebenswerte StĂ€dte, und jedesmal war ich natĂŒrlich auch in Lissabon. – Dem hitzigen Eyjafjallajökull in Island habe ich es also zu verdanken, dass „Portugal und ich“ nun seit 10 Jahren eine gute Paarung geworden sind. Und das wird ganz sicher auch so bleiben…

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